Der in Berlin erfolgreiche Komponist Robert Kahn – von Johannes Brahms und Joseph Joachim gefördert, von Clara Schumann gelobt, von den Berliner Philharmonikern uraufgeführt – ließ 1910 für seine Familie in Feldberg eine Villa errichten. Damit begann eine jahrzehntelange Verbindung mit Mecklenburg, die mit einer erzwungenen Auswanderung aus dem nationalsozialistischen Deutschland endete. Heute kennen ihn und seine Werke vor allem leidenschaftliche Musikliebhaber und Spezialisten.
Robert August Kahn wurde am 21. Juli 1865 in Mannheim als Sohn des jüdischen Kaufmanns Bernhard Kahn und dessen Frau Emma geboren, er war eines von acht Geschwistern. Die Familie war vermögend, der Vater spielte als langjähriger Stadtrat eine wichtige Rolle im politischen und gesellschaftlichen Leben Mannheims. Den großbürgerlichen Verhältnissen entsprechend, erhielten die Kinder Musikunterricht. Robert lernte Klavier und Geige spielen sowie komponieren.

Kompositorisches Schaffen
Robert Kahn komponierte eine Vielzahl von Stücken, allein das gedruckte Werk umfasst 83 Nummern, die teilweise aus bis zu 30 Einzelstücken bestehen. "Große" Stücke hat Kahn nicht geschaffen, sein Schwerpunkt lag vor allem in den kleinen Formen: Kammermusikstücke und Lieder, wie die abgebildete "Variation über ein altes Lied", das hier in der Originalversion zu hören ist:
© Stiftung Mecklenburg, Aufnahme: Studio 2 tonstudios, Schwerin.
Gesang: Sophia Maeno; Flügel: Maša Novosel
Stilistisch folgte Kahn einer traditionsorientierten Kompositionsweise. Der Musikwissenschaftler Steffen Fahl bezeichnete den Komponisten als "romantischen Klassizisten". Robert Kahn orientierte sich anfangs an Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy. In der weiteren Entwicklung blieb er aber dem Melodischem verbunden und lehnte zeitgenössische Strömungen wie die Zwölftontechnik ab.
