Der Novemberpogrom des Jahres 1938 ist der letzte Anstoß für die Kahns, Deutschland zu verlassen, um ihr Leben zu retten. Zwar gibt es ein Schreiben der Staatspolizeistelle Schwerin vom 27.12.1938, das anordnet, Robert Kahn nicht zu belästigen – doch der solcherart "Geschützte" tut gut daran, darauf nicht zu vertrauen. Das Haus "Obdach" wird zu einem Preis unterhalb des Marktpreises verkauft. Hinzu kommen eine "Judenvermögensabgabe", die "Reichsfluchtsteuer" sowie Devisenbestimmungen, die das Kahn'sche Vermögen auf einen etwa fünfprozentigen Anteil des Gesamten reduzieren. Auch seine Pension verliert Kahn durch die Ausreise aus Deutschland.
Glücklicherweise kann er seinen Flügel mit ins Exil nehmen.
Das bemerkenswerte Schreiben der Gestapo geht sehr wahrscheinlich auf die Initiative von Wilhelm Kempff zurück. Kempff war schon lange mit Robert Kahn befreundet und besucht ihn auch nach 1933 mehrfach in Feldberg. Gleichzeitig war Kempff während der NS-Diktatur ein gefeierter Musiker, der später auf der sogenannten "Gottbegnadeten-Liste" stand. Diese Liste sollte die dort genannten Künstler vor Einberufung und Kriegsdienst schützen.
Die Einwanderungsbedingungen in Großbritannien sind sehr streng, Verwandte in den USA müssen für den Unterhalt von Robert und Katharina Kahn einstehen. Doch schließlich kann er aus Wittersham in Kent am 2. Februar 1939 an seinen Freund Albert Einstein schreiben: "Lieber, verehrter Herr Einstein, ich bin glücklich, Ihnen von hier aus einen Gruß ohne Umwege und Versteckspiele senden zu können, – nachdem wir vor 14 Tagen der Nazi-Hölle entkommen sind!"
Kahn und Einstein kannten sich auch schon lange aus Berlin aus Berlin. Sie trafen sich unter anderem zum gemeinsamen Musizieren – Albert Einstein war ein passionierter Geigenspieler.
Während ihrer gemeinsamen Berliner Jahre wurden Albert Einstein und Robert Kahn dort aufgrund ihrer großen Ähnlichkeit verwechselt. Darauf spielt Einstein in dem "Doppelgänger-Gedicht" an, dass er auf einer Postkarte im März 1932 von Bord der "San Francisco" an Robert Kahn schickte.

In Berlin freut’ ich mich stolz
Des Doppelgängers vom besten Holz.
In Pasadena – ich muss sagen: leider
Gleicht mir ein alter jüdischer Schneider
Die Lehre, die ich zieh’ davon:
Rasse ist doch nicht nur Illusion!
Bis zuletzt arbeitet Robert Kahn am "Tagebuch in Tönen". Die Nummer 211 vom 31. Dezember 1938 ist das letzte in Deutschland entstandene Stück.


