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Sonderausstellung Robert Kahn

Flucht nach England

Robert Kahn und Wilhelm Kempff, März 1931
Abb. 32: Robert Kahn und Wilhelm Kempff, März 1931
Schreiben der Gestapo - Staatspolizeistelle Schwerin an die Ortspolizeibehörde Feldberg vom 27. Dezember 1938
Quelle: Grundstücksakte Kahn, Liegenschaftsamt der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft Schreiben der Gestapo - Staatspolizeistelle Schwerin an die Ortspolizeibehörde Feldberg vom 27. Dezember 1938

Der Novemberpogrom des Jahres 1938 ist der letzte Anstoß für die Kahns, Deutschland zu verlassen, um ihr Leben zu retten. Zwar gibt es ein Schreiben der Staatspolizeistelle Schwerin vom 27.12.1938, das anordnet, Robert Kahn nicht zu belästigen – doch der solcherart "Geschützte" tut gut daran, darauf nicht zu vertrauen. Das Haus "Obdach" wird zu einem Preis unterhalb des Marktpreises verkauft. Hinzu kommen eine "Judenvermögensabgabe", die "Reichsfluchtsteuer" sowie Devisenbestimmungen, die das Kahn'sche Vermögen auf einen etwa fünfprozentigen Anteil des Gesamten reduzieren. Auch seine Pension verliert Kahn durch die Ausreise aus Deutschland.

Glücklicherweise kann er seinen Flügel mit ins Exil nehmen.

Ausschnitt Brief von Wilhelm Kempff an Robert Kahn
Quelle: Privatbesitz Familie Greiner-Kahn Brief von Wilhelm Kempff an Robert Kahn vom 30. November 1938

Das bemerkenswerte Schreiben der Gestapo geht sehr wahrscheinlich auf die Initiative von Wilhelm Kempff zurück. Kempff war schon lange mit Robert Kahn befreundet und besucht ihn auch nach 1933 mehrfach in Feldberg. Gleichzeitig war Kempff während der NS-Diktatur ein gefeierter Musiker, der später auf der sogenannten "Gottbegnadeten-Liste" stand. Diese Liste sollte die dort genannten Künstler vor Einberufung und Kriegsdienst schützen.

Die Einwanderungsbedingungen in Großbritannien sind sehr streng, Verwandte in den USA müssen für den Unterhalt von Robert und Katharina Kahn einstehen. Doch schließlich kann er aus Wittersham in Kent am 2. Februar 1939 an seinen Freund Albert Einstein schreiben: "Lieber, verehrter Herr Einstein, ich bin glücklich, Ihnen von hier aus einen Gruß ohne Umwege und Versteckspiele senden zu können, – nachdem wir vor 14 Tagen der Nazi-Hölle entkommen sind!"

Kahn und Einstein kannten sich auch schon lange aus Berlin aus Berlin. Sie trafen sich unter anderem zum gemeinsamen Musizieren – Albert Einstein war ein passionierter Geigenspieler.

Bild
Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin (Kahn), Jan Langhans, Prag (Einstein) links: Robert Kahn, ca. 1909, rechts: Albert Einstein, ca. 1912

Während ihrer gemeinsamen Berliner Jahre wurden Albert Einstein und Robert Kahn dort aufgrund ihrer großen Ähnlichkeit verwechselt. Darauf spielt Einstein in dem "Doppelgänger-Gedicht" an, dass er auf einer Postkarte im März 1932 von Bord der "San Francisco" an Robert Kahn schickte.

Doppelgängergedicht links, recht die Adresse Kahns in Berlin-Dahlem
Quelle: Privatbesitz Familie Greiner-Kahn "Doppelgänger-Gedicht" von Albert Einstein, Postkarte von Elsa und Albert Einstein an Katharina und Robert Kahn vom 9. März 1932

In Berlin freut’ ich mich stolz
Des Doppelgängers vom besten Holz.
In Pasadena – ich muss sagen: leider
Gleicht mir ein alter jüdischer Schneider
Die Lehre, die ich zieh’ davon:
Rasse ist doch nicht nur Illusion!

Bis zuletzt arbeitet Robert Kahn am "Tagebuch in Tönen". Die Nummer 211 vom 31. Dezember 1938 ist das letzte in Deutschland entstandene Stück.