Im Sommer 1935 beginnt Robert Kahn mit dem "Tagebuch in Tönen". Dieses wird mit 1160 Einzelstücken sein "opus magnum". Damit gilt es als größter Klavierzyklus, den ein namhafter Komponist je geschrieben hat. Am Anfang stand dabei – wie Kahn es später selbst formulierte – seine Abneigung gegen das Buchstabenschreiben
. Daraus wurde schließlich ein Lebenselexier, das Kahn Kraft in einer schweren Zeit gab.
Auch wenn der heute gebräuchliche Titel "Tagebuch" zu einer solchen Interpretation verleitet, war es keine Umsetzung der täglichen Erlebnisse in eine Tonsprache. Aber die Stücke nehmen Bezug auf andere Teile des Werks, enthalten Variationen und Wiederholungen. Kahn selbst veränderte im Laufe der Jahre auch den Titel. Aus "Tagebücher" wurde "Tagebuch", gegen Ende seines Lebens schrieb er darüber als "Blätter vom Baum des Lebens".

Tagebuch in Tönen Nr. 1
Das erste Stück entstand als eine Art Geburtstagsgruß an seine Tochter Irene. Damit lässt sich der Anfang auf die Zeit um den 28. Juni 1935 datieren.
© Stiftung Mecklenburg, Aufnahme: Studio 2 tonstudios, Schwerin
Flügel: Maša Novosel
Ende und Neuanfang
Die Nummern 211 und 212 stehen hier nebeneinander, weil sie innerhalb des Zyklus ein Ende und einen Neuanfang darstellen. Die 211 ist das letzte in Deutschland entstandene Werk; die 212 komponiert Robert Kahn als erstes Stück im britischen Exil.
Tagebuch in Tönen Nr. 211
datiert auf den 31. Dezember 1938
© Stiftung Mecklenburg, Aufnahme: Studio 2 tonstudios, Schwerin
Flügel: Maša Novosel
Tagebuch in Tönen Nr. 212
komponiert Anfang April 1939
© Stiftung Mecklenburg, Aufnahme: Studio 2 tonstudios, Schwerin
Flügel: Maša Novosel