Von Stettin bis Boizenburg
Der Blick auf vorpommersche Wirtschaftsgeschichte bis 1945 wäre unvollständig, ließe er das dominierende Zentrum dieser Region unberücksichtigt.
Stettin (seit 1945: Szczecin), die große Hafenstadt an der Odermündung, zählte bereits um 1910 mehr als 200.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Sie war Regierungssitz und Kristallisationspunkt des wirtschaftlichen Lebens der Provinz Pommern, die infolge der europäischen Neuordnung auf dem Wiener Kongress enstanden war.
Nach dem von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg verabredeten die alliierten Siegermächte 1945 eine Zerschlagung Preußens und damit verbunden eine Westverschiebung Polens. Diese Verschiebung erfolgte zugunsten der Sowjetunion. Ihr wurde Ostpolen zugeschlagen, ein Streifen von Brest im Westen bis östlich von Tarnopol, wofür Polen deutsche Gebiete bis zu einer Linie erhielt, die von den Flüssen Oder und Neiße gebildet wurde. Hierdurch wurde aus dem deutschen Stettin das polnische Szczecin. Die Stadt markiert in dieser Ausstellung den östlichsten Punkt, während das mecklenburgische Boizenburg inhaltlich im Westen den Abschluss bildet.
Johannes Quistorp, der die nebenstehende Aktie unterzeichnet hat, war ein erfolgreicher und sozial engagierter Geschäftsmann. In den 1870er Jahren gründete er den Pommerschen Industrie-Verein auf Actien mit Sitz in Stettin. In diesen brachte er mehrere seiner Unternehmen ein. Der gebürtige Greifswalder engagierte sich finanziell mit Wohnraumprojekten für seine Belegschaften und darüber hinaus in der Krankenbetreuung sowie für die Jugend- und Schularbeit.
Boizenburger Stadt- und Hafenbahn
Unter Berücksichtigung des hohen Elbufers wurde die Schienenstrecke der 1846 eröffneten Bahnlinie Berlin–Hamburg drei Kilometer an Boizenburg vorbeigeführt. In entsprechender Distanz entstand auch der Bahnhof. Recht bald mehrten sich in der Bevölkerung die Rufe, die Stadt mit der Bahnlinie zu verbinden. Das konnte erst 1890 realisiert werden. Finanziert wurde die Stadtbahn durch eine AG, die bis 1925 bestand und deren Gremien sich aus dem Boizenburger Bürgermeister, dem städtischen Senator sowie drei Unternehmern zusammensetzte.



