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Sonderausstellung

Wertpapiere aus Mecklenburg und Vorpommern (1850 – 1945)

 

 

Gefertigt in Wismar: Einheitstriebwagen der Deutschen Reichsbahn
Aktie über 1000 Reichsmark
Aktie der Triebwagen- und Waggonfabrik Wismar, 1942
Genussrechte Rostocker Bierbrauerei 1926
Sammlung Ulrich Brehm Genussrechte der Brauerei Mahn & Ohlerich, Rostock, 1926
Aktien haben eine mehr als 400-jährige Geschichte. Als weltweit ältestes überliefertes dieser Wertpapiere gilt eine 1606 ausgestellte Aktie der Vereenigde Oost-Indische Compagnie in Amsterdam und Middelburg.
 
Selbst im entwerteten Zustand faszinieren historische Wertpapiere. Mit einer hohen Papiergrammatur gedruckt, aufwendig hergestellt und nicht selten künstlerisch illustriert, machen sie ihrem Namen alle Ehre.
 
Dabei sagt ein schöner Schein natürlich noch nichts über die Ausrichtung eines Unternehmens, das auf der edlen Urkunde sein Versprechen gegenüber Anlegerinnen und Anlegern gab.
 
Die Bandbreite der Geschäftsfelder reichte von der Nahrungsmittelproduktion über Banken, Versicherungen und das Transportwesen bis hin zum Anlagen- und Maschinenbau, zu dem auch Rüstungsgeschäfte gehörten.
 
Die Geschäftspraktiken waren ebenfalls sehr verschieden. Nicht selten spiegelten sie die Zeitläufte wieder. In der Triebwagen- und Waggonfabrik Wismar und in der Rostocker Brauerei Mahn & Ohlerich mussten während des Zweiten Weltkriegs viele Menschen Zwangsarbeit leisten, so wie in vielen andern Industriebetrieben in Mecklenburg, Pommern und im gesamten deutschen Machtbereich.
Stammaktie des Pommerschen Industrie-Vereins, Wert 600 Mark mit Stempel herabgesetzt auf 400 Reichsmark (Beschluss vom 1. Juni 1933)
Sammlung Ulrich Brehm Stammaktie des Pommerschen Industrie Vereins zu Stettin, 1876

Von Stettin bis Boizenburg

Der Blick auf vorpommersche Wirtschaftsgeschichte bis 1945 wäre unvollständig, ließe er das dominierende Zentrum dieser Region unberücksichtigt.

Stettin (seit 1945: Szczecin), die große Hafenstadt an der Odermündung, zählte bereits um 1910 mehr als 200.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Sie war Regierungssitz und Kristallisationspunkt des wirtschaftlichen Lebens der Provinz Pommern, die infolge der europäischen Neuordnung auf dem Wiener Kongress enstanden war.

Nach dem von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg verabredeten die alliierten Siegermächte 1945 eine Zerschlagung Preußens und damit verbunden eine Westverschiebung Polens. Diese Verschiebung erfolgte zugunsten der Sowjetunion. Ihr wurde Ostpolen zugeschlagen, ein Streifen von Brest im Westen bis östlich von Tarnopol, wofür Polen deutsche Gebiete bis zu einer Linie erhielt, die von den Flüssen Oder und Neiße gebildet wurde. Hierdurch wurde aus dem deutschen Stettin das polnische Szczecin. Die Stadt markiert in dieser Ausstellung den östlichsten Punkt, während das mecklenburgische Boizenburg inhaltlich im Westen den Abschluss bildet.

Johannes Quistorp, der die nebenstehende Aktie unterzeichnet hat, war ein erfolgreicher und sozial engagierter Geschäftsmann. In den 1870er Jahren gründete er den Pommerschen Industrie-Verein auf Actien mit Sitz in Stettin. In diesen brachte er mehrere seiner Unternehmen ein. Der gebürtige Greifswalder engagierte sich finanziell mit Wohnraumprojekten für seine Belegschaften und darüber hinaus in der Krankenbetreuung sowie für die Jugend- und Schularbeit.

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Sammlung Ulrich Brehm Boizenburger Stadt- und Hafenbahn, 1000-Mark-Aktie aus dem Jahr 1890

Boizenburger Stadt- und Hafenbahn

Unter Berücksichtigung des hohen Elbufers wurde die Schienenstrecke der 1846 eröffneten Bahnlinie Berlin–Hamburg drei Kilometer an Boizenburg vorbeigeführt. In entsprechender Distanz entstand auch der Bahnhof. Recht bald mehrten sich in der Bevölkerung die Rufe, die Stadt mit der Bahnlinie zu verbinden. Das konnte erst 1890 realisiert werden. Finanziert wurde die Stadtbahn durch eine AG, die bis 1925 bestand und deren Gremien sich aus dem Boizenburger Bürgermeister, dem städtischen Senator sowie drei Unternehmern zusammensetzte.

Genussscheine

Ein Genussschein belegt anders als eine Aktie eher eine Anleihe. Die Inhaberin oder der Inhaber wird am Erfolg eines Unternehmens beteiligt, verfügt aber über kein Stimmrecht, um Entscheidungen des Unternehmes zu beeinflussen. Im Falle der Auflösung eines Unternehmens besteht dafür ein, wenn auch nachrangiger, Anspruch auf einen Anteil an dem zu verteilenden Vermögen.

Aktien

Eine Stammaktie ist anders als ein Genussrecht mit einem Stimmrecht auf der Aktionärsversammlung verbunden. Eine Vorzugsaktie ähnelt dem Genussrecht, weil auch mit einem solchen Wertpapier kein Stimmrecht verbunden ist. Dafür begründen Vorzugsaktien in der Regel einen höheren Dividendenanspruch. Beide Aktientypen unterscheiden sich vom Genussrecht dahingehend, dass das für sie eingesetzte Kapital im Falle einer Unternehmensauflösung verloren ist.

Ausschüttungen

Ausschüttungen erfolgen bei Aktien in der Form von Dividenden, bei Genussscheinen als Genussrechte. Den Zeitpunkt und die Höhe der Ausschüttung legt die Aktionärsversammlung bzw. die Unternehmensleitung fest.

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Anteile und Anleihen

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Versicherungen und Banken