Das Ganze ist (hoffentlich) mehr
... als die Summe seiner Teile
Das handelsrechtliche Konstrukt der Partenreederei existierte bereits in den mittelalterlichen Städten. Von Greifswald, Rostock, Stralsund und Wismar aus starteten Schiffe mit teurer Ladung in alle Welt. Um das Risiko eines teilweisen oder gar Vollverlustes eines Schiffes und damit auch der Fracht zu verringern, wurde die mit dem Transportvorhaben verbundene Investitionssumme durch viele Personen geteilt. Diese erwarben jeweils Anteile an den Schiffen oder auch an der Ladung.
Diese frühe Form Aktienform blieb über Jahrhunderte erhalten. Der hier dargestellte Schein aus dem beginnenden 20. Jahrhundert wies einen Anteil von einem Hundertneunzigstel am Wismarer Schraubendampfer ANNA TIEDE nach.
Bei dem Anteilseigner Carl Tiede handelte es sich um den Reeder höchstselbst, das Schiff war nach seiner Frau benannt und hatte seinen Stapellauf just im Ausgabejahr der Eigenthums-Actie. Selbstredend wurde in der Partenreederei nicht allein das Risiko, sondern auch der Gewinn nach der jeweiligen Anteilshöhe verteilt.
Seit dem Jahr 2013 dürfen in Deutschland keine neuen Partenreedereien mehr gegründet werden.
Öffentliche Anleihe auf das pommersche Gut Prohn
Rat und Bürgerschaft der Stadt Stralsund garantierten mit diesem Schuldschein vom 30. Dezember 1809 dem Anteilseigner eine jährlich sechsprozentige Verzinsung seines der Stadt geliehenen Kapitals von 2 Reichstalern und 16 Schillingen pommersch Courant zu. Als Sicherung der Hypothek wird das Stadtvermögen genannt, insonderheit das vom Rat als Verkaufsobjekt ins Auge gefasste Gut Prohn.
Als Stichtag für die Zinszahlung ist der Dreifaltigkeitssonntag Trinitatis genannt, der in Abhängigkeit vom Osterfest an wechselnden Daten in den Monaten Mai und Juni begangen wird.
Hauptmann von Flotow leiht einem Rostocker Gastwirt tausend Taler
Mit diesem Papier beurkundete die Stadt Rostock eine Kreditabsprache zwischen dem Hauptmann a.D. Ludwig Dietrich Wilhelm Alexander von Flotow aus Schwaan und dem Gastwirt Andreas Harms über eine Anleihe in Höhe von 1.000 Talern Courant, bei einer jährlichen Verzinsung von 4,5 %. Als Sicherheit verpfändete Harms sein Haus in dder Krämerstraße. Die Kreditsumme hätte im Jahr 2025 nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank gut 36.000 Euro betragen.


