Zuckerfabriken in Mecklenburg und Pommern
Zuckerfabriken gaben ihre Aktien nicht bloß zur Kapitalgewinnung aus. Die Anteilseigner mussten sich auch selbst in das wirtschaftliche Handeln der Fabrik einbringen.
So verlangte dieses Wertpapier, ausgegeben von der Zuckerfabrik Stavenhagen: "Der Inhaber dieser Aktie ist verpflichtet, jährlich fünf Morgen Zuckerrüben für die Zuckerfabrik Stavenhagen zu bauen. – Die Veräußerung dieser Aktie ist an die Zustimmung des Vorstandes der Gesellschaft gebunden. Bei jedem Verkaufe von Aktien steht der Gesellschaft das Vorkaufsrecht zu."
Aktie, Aktie, du musst wandern!
Dieses 1882 von der Zuckerfabrik Stavenhagen auf den Oberamtmann Floto ausgestellte und bemerkenswert langlebige Wertpapier wechselte mehrfach seinen Eigentümer. Das zeigt eine ganze Reihe von handschriftlichen Vermerken auf der Rückseite, die bis in das Jahr 1932 reichen.
Übertragen auf Rittergutsbesitzer Fritz Floto, Gaedebehn durch Erbfolge, 22. Juli 1891
Übertragen auf Herrn Fritz ud Ernst Floto, Gaedebehn, durch Erbfolge, 17. Mai 1918
Übertragen auf Herrn Rittergutsbesitzer Wilhelm von Zülow auf Knorrendorf, 17. Mai 1918
Übertragen durch Frau A. von Zülow auf Knorrendorf, 21. März 1929
Umgeschrieben auf Herr Rittergutsbesitzer Gustav Nebe, Knorrendorf, 1. Oktober 1932
Bier aus Rostock und Lübz
Die Aktie der Brauerei "Mahn & Ohlerich" aus dem Kriegsjahr 1942 trägt den alten Rostocker Beinamen "Seestadt" im Logo des Unternehmens. Dieser wies auf die besondere Bedeutung der Häfen für Mecklenburg hin und war juristisch bis zur Abschaffung der Monarchie 1918 im mecklenburgischen Ständestaat mit Sonderrechten verbunden gewesen. Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurde der Beiname sowohl in Rostock als auch in Wismar wieder eingeführt, ohne dass damit erneute Sonderrechte verbunden gewesen wären. Heute wird in Rostocker wieder ein Bier mit der Marke "M&O" gebraut.
Ein anderer Mecklenburger Bierproduzent, der noch heute unter seinem Ursprungsnamen firmiert, ist die 1877 gegründete Lübzer Brauerei.
Bier aus Greifswald
Die Greifswalder Brauerei AG wurde erst 1935 gegründet. Die Geschichte jenes Unternehmens reicht jedoch bis weit in das 19. Jahrhundert zurück. 1865 hatte der Kaufmann Friedrich Cleppin die zugrundeliegende Brauerei errichtet. Nach diversen Umfirmierungen wurden die Fabrikations- und Abfüllungsgebäude 1996 abgerissen. Ein neu gegründeter Betrieb nutzt allerdings das noch bestehende Markenrecht und produziert in Greifswald wieder Bier.





