SONDERAUSSTELLUNG "DER KÖNIG VOM FISCHLAND – Peter E. und die Kunst"

Kunstmuseum Ahrenshoop und Virtuelles Landesmuseum MV – 1. Oktober 2022 bis 26. März 2023

Kuratorenführung mit Dr. Wolf Karge im Kunstmuseum Ahrenshoop am 27. Dezember 2022, 15.00 Uhr

  

In Unternehmerbiographien wird die Entwicklung des Betriebes, der steigende Absatz der Produkte und damit meist einhergehend der wachsende Wohlstand des "Helden" beschrieben. Bei Peter Emil Erichson (1861–1963) scheint das zunächst auch so. Er ist Unternehmer. Der Druckereibesitzer verdient gut mit Druckaufträgen – egal ob für Bücher oder Bierflaschenetiketten. Der Verleger ediert Bücher und Zeitschriften, die überwiegend als Auftragsarbeiten aus der Rostocker Universität oder Vereinen und Gesellschaften kommen. Sein verlegerischer großer Wurf werden die "Mecklenburgischen Monatshefte". Die Idee dazu haben andere. Der Buchhändler verkauft Bücher – auch mit Gewinn.

Kunst, Geschichten und Gespräche

Rudolf Bartels, Porträt Peter E., Mischtechnik 1925,Original: SSGK (Staatliches Museum Schwerin)Rudolf Bartels, Porträt Peter E.,
Mischtechnik 1925
Original: SSGK (Staatliches Museum Schwerin)

Doch Peter E., wie er sich selbst nennt und nennen lässt, hat auch eine ganz andere Seite. Zu seinen Lebzeiten ist er legendär eher bekannt als freigiebiger Freund und Förderer der Künste und Künstler, als nimmermüder kreativer Erzähler, als unglaublicher Geschichten-Erfinder. Er liebt geistreiche, pointierte Gespräche über alles. Die dürfen gern von reichlich Alkoholgenuss in Form von Korn oder Rotwein begleitet sein.

Sein Lebensweg führt in Deutschland vom Kaiserreich, über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus bis in die DDR. In keinem dieser Systeme geht er unter. Er kann sich – im Gegenteil – immer einen barock anmutenden Lebensstil bewahren. Ein halbes Jahrhundert hat er die Kulturlandschaft in Rostock, Mecklenburg und Vorpommern mitgeprägt.

Sein Leben ist umrankt von Legenden, die er teils selbst schuf, oder nicht entkräftete. Wenn die Ranken gelichtet sind und die Erzählstränge entwirrt, bleibt immer noch ein außerordentlich spannendes Lebensbild eines ungeheuer vitalen Mannes.

Peter E. und Rudolf Bartels

Ob Peter E. den eigenbrötlerischen Maler schon 1909 kennt, ist unklar. Doch in der Weimarer Republik wird er einer seiner eifrigsten Förderer und Mäzene. Er lässt sich und Line Ristow von ihm porträtieren und kauft eine ganze Reihe seiner impressionistischen Bilder, die noch heute in der Familie überliefert sind. Das bereits 1909 entstandene großformatige Werk "Seifenblasen" vermittelt Peter E. 1926 an das Landesmuseum in Schwerin. 1946 initiiert er in Rostock eine Ausstellung für den 1943 verstorbenen Maler.

Peter E. und Ernst Barlach

Die Bekanntschaft beginnt etwa 1926 mit der Ablehnung einer Einladung durch den zurückgezogen lebenden Güstrower Künstler. 1927 erhält Barlach aber viel Platz in den Mecklenburgischen Monatsheften. Peter E. erwirbt Arbeiten Barlachs für sein Haus in Ahrenshoop. 1931 erhält er eine Zeichnung als Geburtstagsgeschenk, versehen mit der Widmung: „Für Peter Erichson. Ein Lob der Hochführung seines reichen und tätigen Lebens, in Verehrung und herzlichen Wünschen". Wichtig wird die Bekanntschaft für Schallplattenaufnahmen mit der Stimme von Barlach. Er liest aus seinen Werken. Peter E. vermittelt die Aufnahmen. Möglicherweise entstehen sie in Ahrenshoop. Es sind die einzigen Überlieferungen mit der Stimme des Künstlers.

Ahrenshooper Kunstfreunde

Peter E. hatte ein Gespür ...

... für moderne zeitgenössische Kunst und liebt den Kontakt zu Künstlerinnen und Künstlern. Bruno Gimpel ist häufiger Sommergast in seinem Haus. Alfred Partikel liebt die Geselligkeit mit ihm. Gerhard Marcks lässt sich in schlechten Zeiten von ihm Modelliergips beschaffen. Die Bauhaus-Absolventin Dörte Helm stattet sein Haus in Ahrenshoop mit Möbeln und einem Fenster aus. Hertha von Guttenberg führt er 1923 in die Rostocker und Ahrenshooper Kunstszene ein. Hedwig Holtz-Sommer malt ihn noch im hohen Alter. Sie gehören zum engsten Freundeskreis. Andere sind gern gesehene Gäste.

Bruno Gimpel

Bruno Gimpel - Die Frau des Künstlers auf dem Balkon des Hauses von Peter E. Original: Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur in Rostock, Max-Samuel-HausBruno Gimpel
Die Frau des Künstlers auf dem Balkon des Hauses von Peter E.
Original: Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur in Rostock, Max-Samuel-Haus

Die Frau des Künstlers auf dem Balkon des Hauses von Peter E. am Schifferberg 10 in Ahrenshoop

Dörte Helm

Dörte Helm - Ahrenshoop - Häuser Original: Sammlung Kunstmuseum AhrenshoopDörte Helm - Ahrenshoop - HäuserOriginal: Sammlung Kunstmuseum Ahrenshoop

Ahrenshoop – Häuser

Pastell, 1925

Egon Tschirch

Egon Tschirch: Kopf Line Ristow Original: PrivatbesitzEgon Tschirch: Kopf Line Ristow Original: Privatbesitz

Kopf Line Ristow (aus der Serie „Köpfe“)

Tempera auf Karton, 1921


Impressum

Diese Ausstellung entstand in Kooperation des Kunstmuseums Ahrenshoop und der Stiftung Mecklenburg

Kuratierung: Dr. Wolf Karge

Umsetzung der digitalen Sonderausstellung: Dr. Florian Ostrop und Mathias Richter  

Fritz Koch-Gotah – Zeichnung und Gedicht

mit den Unterschriften von Dorothea und Alfred Partikel
Fritz_Koch_Gotha_Partikel_Privatbesitz_240

"Es ist kein Karpfen / Es ist kein Krapfen / Es ist nicht Narretei / Es ist kein Kuckucks Ei / Es ist nur Sehnsuchtswunsch / Nach einem Peter-Punsch!"

Original: Archiv der Familie

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Wolf Bergenroth

Widmungsblatt zum 50. Geburtstag von Peter E.
Wolf_ Bergenroth_Glueckwunsch_Peter_E 240

Original: Archiv der Familie

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